ABDOMINELLE CHIRURGIE
 
 
Bauchaortenaneurysma
Abdominelles Aortenaneurysma

Übersicht


Aneurysmen der Bauchschlagader sind ein Spezialgebiet unseres chirurgischen Zentrums. Unsere Chirurgen sind sehr erfahren in der Behandlung dieser gefährlichen Erkrankung und sind gemeinsam mit unseren Partnern, den interventionellen Radiologen, sehr erfolgreich in der Behandlung auch mit den neuesten Technologien. Die meisten dieser Aneurysmen kommen beim männlichen Geschlecht und da bei Männern über 65 Jahren vor:

  • 1,5 % haben ein AAA mit einem Durchmesser von > 4 cm
  • 2,5% haben ein AAA mit einen Durchmesser von > 3,3 cm
  • 10 % der Patienten haben eine signifikante Aufweitung


Nach epidemiologischen Studien kann von einer Prävalenz des Abdominelles Aortenaneurysmas von 3 - 6 % bei Männern und von 0,5 – 1 % bei Frauen (> 60 Jahre) ausgegangen werden. In Sektionsstatistiken liegt die Häufigkeit des Bauchaortenaneurysmas derzeit bei ca. 2 %.
 
Anatomie

Die Bauchaorta beginnt unterhalb des Zwerchfells und endet mit der Abgabe der Beckengefäße. Von der Bauchaorta gehen Gefäße zur Blutversorgung aller Bauchorgane und der Nieren ab. Als Bauchaortenaneurysma bezeichnet man eine Erweiterung der Bauchschlagader meist unterhalb der Nierenarterienabgänge gelegen. Von einer beginnenden Aneurysmaerkrankung der Aorta wird gesprochen, wenn das Gefäß über einen gewissen Wert erweitert ist:

  • beim Mann auf über 2,5 cm
  • bei der Frau auf über 2 cm


Da die meisten dieser Aneurysmen an Größe zunehmen, droht ab einem Querdurchmesser von 5 cm die Rupturgefahr! (Platzen!). Bei unter 6cm messende Aneurysmen beträgt die Rupturgefahr unter 3%, ab 6cm und mehr über 15% pro Jahr. Im Stadium der akuten Ruptur besteht höchste Lebensgefahr.
 
Zeichen und Symptome

Aneurysmen bleiben oft lange Zeit unbemerkt und ohne Beschwerden. Meistens ist eine Aorten-Aneurysmaentwicklung von wenig Symptomen begleitet. In vielen Fällen wird nur eine verstärkte Pulsation wahrgenommen. Eine Komplikation eines Aneurysmas ist die Bildung von Blutgerinnseln im Aneurysmasack und die Ausschwemmung dieser Gerinnsel (Embolisation). Dabei kann es zur Verstopfung von Blutgefäßen v.a. im Becken-Bein-Bereich kommen. Häufig machen sich Aneurysmen also Rahmen von Durchblutungsproblemen bemerkbar oder fallen durch Embolisation auf.
 
Ursachen

Besonders bei Vorliegen von arterieller Verschlusskrankheit (AVK), weiten, stark erweiterten(dilatierten) Arterien und Hypertonie ist die Korrelation mit Aortenaneurysmen bekannt Risikofaktoren Jährlich versterben ca. 2 % aller Männer an einem " Platzen" (Ruptur) eines Aortenaneurysmas. Das Risiko steigt deutlich mit dem Wachstum des Aneurysma um ca. 20% oder um ca. 1cm an. Eine weitere Verschlechterung der Prognose bringen neben der Vergrößerung des Aortenaneurysmas zusätzlicher Nikotin-Abusus und Hypertonie mit sich.
 
Diagnose Aneurysma

Alle Männer ab 65 Jahren sollten zumindest einer regelmäßigen Untersuchung zugeführt werden. Kleine Anuerysmen vergrößern sich um ca. 3 – 4 mm pro Jahr, große Aneurysmen wachsen oft viel schneller. Daher muss in diesen Fällen oft alle drei Monate statt der sonst üblichen sechs Monate kontrolliert werden.
 
Abdomineller Ultraschall

Als Screening - Untersuchungsmethode und Kontrolluntersuchung ideal und wenig belastend ist die abdominelle Sonografie (Ultraschalluntersuchung). Patienten über 60 Jahre sollten mittels abdomineller Ultraschalluntersuchung hinsichtlich der Diagnose auf Aortenaneurysmen abgeklärt werden.
 
Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT)-Untersuchung
Spiral-Computertomografie (CT)-Untersuchung

Beurteilung der Aneurysmaform und der abgehenden Gefäße. Sie ist besonders nützlich zur Beurteilung, ob ein chirurgisches oder ein interventionell radiologisches Vorgehen mit Stentimplantatio0n möglich ist.
 
Angiographie

vollständigen Beurteilung des Gefäßbetts mittels Kontrastmittelinjektion bis in die unteren Extremitäten. Ist bei Vorliegen von peripheren Gefäßveränderungen immer indiziert.

Behandlung
Geplante Operation


Die chirurgische oder auch interventionelle Behandlung mit Stent wird ab einer Aneurysmagröße von über 5,5 cm empfohlen.

Aneurysma-Ruptur (Platzen)


Kommt es jedoch zur Ruptur ("Platzen" des Aneurysmas), so tritt akut ein Schmerz- und Schockzustand und bei einem rupturierten Bauchaortenaneurysma ein lebensbedrohender Zustand auf. Eine Notfalls-Operation ist notwendig.
 
Offene Bauchoperation

Diese Routineoperation beinhaltet die Eröffnung des Bauchraumes unter Allgemeinnarkose. Die Aorta wird freigelegt, hierauf geklemmt und der betroffene Abschnitt wird mit einer Gefäßprothese ersetzt. Diese wird entweder im Bauchraum an die Aorta (Schlauchprothese), an die Beckengefäße (Y-Prothese) oder an die Leistengefäße (verlängerte Y-Prothese) angeschlossen. Die Transfusion von Fremdblut ist nur noch in Ausnahmenfällen notwendig. Moderne "Cell-saver" Geräte, die das abgesaugte Blut wieder aufbereiten tragen zusätzlich zur Verminderung von Fremdbluttransfusionen bei. Das Angebot der Eigenblutspende wird von den Patienten sehr gerne wahrgenommen und kann bei Vorliegen des Patientenwunsches leicht organisiert werden
 
Geschlossene, interventionelle Radiologie

Die endoluminale Gefäßprothese Alternativ zur Operation kann als wenig belastender Einriff (minimalinvasiv) ein Stenting der Gefäßerweiterung durchgeführt werden. Hierbei wird über zwei jeweils ca. 10 cm lange Schnitte in den Leisten die Oberschenkelschlagader freigelegt. Über die Schlagadern wird ein Katheter bis in den erweiterten Abschnitt der Bauchschlagader vorgeschoben. Über die Katheter werden von beiden Seiten jeweils ein Stent in die Aussackung vorgeschoben, entfaltet und letztendlich zu einem Y-Stent zusammengefügt. So wird der erweiterte Abschnitt der Bauchschlagader ausgeschaltet. Vorteil dieser Methode ist, daß auf die Bauchoperation verzichtet werden kann. Eine Überwachung auf der Intensivstation ist nicht notwendig und der Krankenhausaufenthalt beträgt ca. eine Woche. Dieses Verfahren kann jedoch nur bei einem Teil der Patienten durchgeführt werden.
 
Komplikationen
Geplante Operation


Die chirurgische Behandlung ist mit einer Sterblichkeit von ca. 3 - 5% verbunden.

Aneurysma-Ruptur (Platzen)

Die Notfalls-Operation einer rupturierten Bauchschlagader ist mit einer Sterblichkeitsrate von 30 - 50 % verbunden. Wie nach jeder größeren Operation können Wundprobleme auftreten. Es können sich Infektionen entwickeln. Nachdem die Patienten oft durch die Arteriosklerose bedingt auch Durchblutungsprobleme in anderen Organen haben, treten manchmal Komplikationen mit dem Herzen, den Nieren, dem Gehirn oder dem Darm auf. Selten kann es auch zu Lähmungserscheinungen kommen. Bei Männern können Komplikationen beim Samenerguss auftreten. Immer muss bei diesen Operationen der Nutzen der Operation mit dem bestehenden Risiko abgewogen werden und gemeinsam mit dem Patienten, wenn möglich (Ruptur!) die Entscheidung getroffen werden.
 
Nachsorge

Die Erholungszeit auf der Intensiv- oder Überwachungsstation dauert 1 – 3 Tage und der Aufenthalt im Krankenhaus ca. 8 – 10 Tage. Die Patienten werden nach der Behandlung regelmäßig an unserer gefäßchirurgischen Ambulanz nachkontrolliert und betreut.

Clinical Decision Making for Endovascular Repair of Abdominal Aortic Aneurysm